Tag-Archiv für 'sexismus'

Sexismus-Ticker

Richard Meusers berichtet im Netzwelt-Ticker auf Spiegel Online über eine Studie zum Thema Eifersucht im Internet:

Und dann war da noch die bahnbrechende Studie zum Verhalten moderner Netzbewohner. Die erstaunliche Erkenntnis: Surfen macht eifersüchtig. Vor allem den Partner und vor allem dann, wenn der geliebte Lebensgefährte sich allzu lang auf sozialen Netzwerken wie Facebook tummelt.

Zum Abschluss des Artikels muss dann natürlich noch ein sexistisches Klischee aus dem Hut gezaubert werden:

Welch eine Neuigkeit. *Jede* PC-Nutzung macht Frauen eifersüchtig. Denn das ist Zeit, die der Mann mit einem Spielzeug verbringt statt mit seiner Frau.

Computer als Männer-Spielzeug und ihre eifersüchtigen Frauen, solche Platidüden haben Spiegel-Leser gerne. Tatsächlich gelesen hat Herr Meusers die Studie offensichtlich nicht:

Women […] in our sample spent significantly more time on Facebook than men

Artikeldrei: Sexuelle Identität

Der LSVD fordert mit seiner Aktion artikeldrei oder auch „3+“, den dritten Artikel des Grundgesetzes folgendermaßen zu ergänzen:

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seiner sexuellen Identität, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Dieser Begriff, sexuelle Identität, soll laut LSVD „Lesben, Schwule, Transgender und intersexuelle Menschen“ umfassen. Das finde ich eine recht unglückliche Wahl, denn damit werden zwei zwar angrenzende aber letztendlich doch sehr unterschiedliche Themenkomplexe vermengt.

1) Gender. Um die Problematik der Diskriminierung auf Grund der gewählten Geschlechtsrolle (vor allem wenn diese eben vom biologischen Geschlecht abweicht) zu beschreiben, halte ich „sexuelle Identität“ für problematisch, da sie mit Sexualität ja eigentlich nix zu tun hat. Als Transgender könnte ich am liebsten Sex mit Männern, Frauen, Transsexuellen oder überhaupt niemandem haben wollen, das ist ja nicht der Punkt, sondern die gewählte Geschlechtsidentität.

2) Sexualität. Hier finde ich die andere Hälfte des Wortes problematisch, nämlich das Wort „Identität“. Sex mit Menschen meines Geschlechts, mit Transsexuellen oder überhaupt keinen zu haben ist ja keine Frage der Identität. Zwar wählen viele Menschen den Weg, sich die Identität „schwul“ oder „bi“ zuzulegen, aber das erstrebenswerte Ziel wäre ja eigentlich ein Aufbrechen dieses Schubladendenkens, das uns von der Psychologie der letzten Jahrhunderte aufgeschwatzt wurde und das Hinarbeiten auf einen Zustand, an dem ich einfach mit einem Menschen Sex haben kann, ohne dadurch irgendeine Identität annehmen oder hinterfragen zu müssen.

Meinungen dazu würden mich sehr interessieren. Ich habe auch eine Email an den LSVD dazu geschrieben.

1. Buch Mose (Teil 2)

Nachdem wir im vorherigen Beitrag schon in der Schöpfungsgeschichte die ersten sexistischen Tendenzen erkennen konnten, wollen wir nun weitere interessante Aussagen des ersten Buch Mose betrachten:

Kain erschlägt Abel. Während später Gott für Mord die Todesstrafe ausspricht ist er hier noch gütig, Kain soll als Nomade umherziehen. Kain hat jedoch Angst. Denn „jeder, der mich sieht, kann mich ungestraft töten.(Ge 4:14). Wer sollte das denn tun? Es gab doch nur Adam, Eva und eben Kain? Genauso wenig wird klar, wen Kain später heiratet. Hatten Adam und Eva Töchter die nicht erwähnt werden? Sehr rätselhaft. Zumindest ist Gott so gütig, ihm das Kainsmal zu geben, so dass er von niemanden getötet wird.

Die Menschen sind aber schlecht und böse, sie sündigen alle und Gott bereut seine Schöpfung und will alle umbringen. Nur Noah und seine Familie überleben die große Flut, weil sie fromm sind. Dass der Mensch im Allgemeinen von Grund auf böse ist, soll noch öfter in der Bibel vorkommen und ist auch heute noch eine beliebte Rechtfertigung von Staaten und Kapitalismus (siehe Hobbes).

Gott macht einen Bund mit Noah und nennt seine ersten Gesetze. Hervorstechen tut hierbei die Formulierung „Wer das Blut von Menschen vergießt — durch Menschen werde vergossen sein Blut! / Denn der Mensch ist zum Abbild Gottes gemacht(Ge 9:6). Hier taucht erstmals die Todesstrafe auf, die im 2. Buch Mose noch ausgeweitet wird. Es ist also kaum verwunderlich dass in einem religiösen Staat wie den USA die Todesstrafe auch heute noch ausgeübt wird.

Es folgt eine Ahnentafel und, wie in allen anderen Ahnentafeln der Bibel auch, werden nur Männer genannt. Hält Gott Frauen für unwichtig? Ich halte es ja für wahrscheinlicher, dass die Autoren des Buches Frauen für unwichtig hielten, was zur Zeit der Entstehung wohl zumindest bei den Hebräern eine unumstrittene Angelegenheit war. Da aber der bibeltreue Christ glaubt, dass die Bibel von Gott für die Menschen gemacht wurde, muss man sich über das Frauenbild vieler Christen wohl kaum wundern.

Kommen wir zu nackten Tatsachen. Noah wird der erste Weinbauer und besäuft sich. Nackt schläft er in seinem Zelt ein und sein Sohn Ham entdeckt ihn dort, lässt ihn so liegen und berichtet seinen Brüdern. Diese decken Noah daraufhin mit abgewandtem Blick zu. Also Noah von Hams Verhalten erfährt, verflucht er dessen Nachkommen, die Kanaaniter: „Verflucht sei Kanaan! / Der niedrigste Sklave wird er seinen Brüdern sein!“(Ge 9:25). Huch nein wie praktisch, dass so etwas der Bibel steht, wo Kanaan doch zu Israels größten Feinden gehörte. Da konnten sie diese ja ruhigen Gewissens versklaven. Aber Moses hat das ganze auf Gottes Befehl aufgeschrieben, natürlich, nicht israelische Priester um die Versklavung zu rechtfertigen. Und sowas gibt im 1. Buch Mose öfters. Die Ismaeliten stammen von einem wilden unehelichen Sohn Abrahams ab und die Ammoniter und Moabiter enstehen aus einer Inzestbeziehung zwischen Lot und seinen Töchtern. Man könnte es Propaganda nennen, aber es ist ja die heilige Schrift…

Zum Schluss möchte ich noch über die Vernichtung von Sodom und Gomorra und damit auch dem ersten Auftauchen der Homosexualität in der Bibel schreiben, die auf Grund dieser Geschichte einmal Sodomie genannt werden sollte.
Abraham will Gott beweisen, dass es auch gute Menschen in Sodom gibt und reist deswegen mit den Gesandten Gottes dorthin und übernachtet bei Lot. Nachts kommen die Bewohner Sodoms zu ihm und „Sie schrien nach Lot und riefen: „Wo sind die Männer, die heute Abend zu dir gekommen sind? Los, gib sie heraus! Wir wollen es ihnen besorgen!“(Ge 19:5). Andere Bibelübersetzungen schreiben „Wir wollen sie erkennen“, was jedoch in der Bibel eine Umschreibung für Sex ist. Der Bezug auf Homosexualität wird noch deutlicher, denn Lot bietet ihnen daraufhin seine Töchter an. Ja richtig, Gastfreundschaft ist ihm so wichtig, dass er lieber seine Töchter vergewaltigen lässt als seine Gäste. Die Sodomiten schlagen dieses Angebot jedoch aus und zahlen wenig später die Rechnung: Gott zerstört die Städte Sodom und Gomorra.

Diese Stelle ist nicht ganz eindeutig. Die Sünde der Sodomiten müssen nicht die homosexuellen Gelüste sein. Gäste zu vergewaltigen ist ja im Allgemeinen nicht unbedingt vorbildliches Verhalten. Doch auch spätere Bibelstellen sprechen sich gegen Homosexualität aus. Kein Wunder also, dass die wenigen, die sich auch heute noch offen gegen Schwule aussprechen, Christen sind.

Das erste Buch Mose zeigt also schon die vielen hässlichen Seiten der Bibel und es wird nicht besser. Denn bald wird Gott Moses seine Gesetze verkünden und die haben es in sich. Seid also wieder dabei, wenn das zweite Buch Mose hier kommentiert wird ;-)

1. Buch Mose (Teil 1)

Aus verschiedentlichen Gründen bin ich gerade dabei die Bibel zu lesen. Beim Christentum handelt es sich immerhin um eine er größten Weltreligionen und es hat auch heute noch Einfluss auf die Ethik dieser Gesellschaft. Es gibt ja heute immer noch Christen, die die Bibel als totale von Gott den Menschen gegebene Wahrheiten verstehen. Was für gefährliche Aussagen damit besonders aus dem alten Testament als richtig dargestellt werden, ist vielen gar nicht bewusst. Ich werde hier also ein paar Gedanken, die mir so bei der Bibellektüre gekommen sind, niederschreiben. Beginnen wir mit dem 1. Buch Mose, denn sehr viel weiter bin ich nicht nicht gekommen. ;-) Zitate sind aus der „Neuen evangelistischen Übersetzung“, da diese sinntreu aber dennoch einfach verständlich ist.

Wann und durch wen das Pentateuch, die 5 Bücher Mose, wirklich entstanden ist, ist unklar. Die Geschichten sollen nach Meinung vieler Forscher bis nach 1500 v. Chr. zurückreichen und etwa im 5. Jahrhundert vor Christus von israelitischen Priestern aufgezeichnet worden sein. Vieles deutet darauf hin, dass die Texte den Hebräern Mut machen sollten, die durch ihre Zeit im babylonischen Exil die Hoffnung verloren hatten.

Los geht es mit der Schöpfungsgeschichte. Diese widerspricht schon ziemlich der Wissenschaft. Bei der Erschaffung des Universums kann man sich ja noch einen Weg drum rum interpretieren, aber spätestens wenn dann in 2:7 der Mensch aus „lose[r] Erde vom Ackerboden“ gemacht wird, verlässt das Ganze schon den Boden der Realität. Glaube hin oder her, aber wie man es wirklich für logischer halten kann von Ackerboden abzustammen als von einem Uraffen will mir irgendwie nicht in den Kopf.

Gott schuf also die Menschen und „Er schuf sie als Mann und Frau.“(Ge 1: 27). Mann und Frau. Nix anderes. Da muss man sich auch nicht wundern, dass Intersexuelle für Ewigkeiten verfolgt oder später umoperiert wurden, wenn unser Wertemodell auf dieser Religion beruht, wie die CDU ja gerne behauptet.

Und schon sind wir im Paradies wo viele wunderbare Sachen geschehen. Der Autor dieser Passage hatte offensichtlich doch große Probleme, sich von seinen irdischen Gelüsten zu lösen. Warum sonst sollte er erwähnen, dass ein Arm des Flusses der den Garten Eden durchfließt, ein Land umfließt „wo das Gold vorkommt, — das Gold dieses Landes ist besonders rein — das Bedolach-Harz und der Schoham-Stein.“ (Ge 2: 11-12). Für die weder Tauschgeschäfte betreibenden noch Schmuck tragenden Adam und Eva dürfte das wohl kaum von Interesse gewesen sein.

Die Schlange redet den beiden ein vom Baum der Erkenntnis zu essen und sie tun es. Dafür werden sie alle drei bestraft und die Bestrafung für die Frau ist sehr interessant. Nicht nur soll sie schmerzhafte Geburten erleiden müssen, die Autoren haben diese Chance auch gleich genutzt, die Unterdrückung der Frau zu rechtfertigen, was ja anscheinend bis ins 20. Jahrhundert, gerade das Jahrhundert in dem die Religion in Europa langsam an Bedeutung verlor, wunderbar funktioniert hat. Die Frau solle zwar versuchen, über ihren Mann zu verfügen, „doch er wird über dich herrschen.“(Ge 3: 16). Strafe Gottes, da haben Sie es meine Damen! Allerdings sollte die Strafe für den Mann sein, ein Leben lang auf dem Acker schuften zu müssen. Wie es Leute also mit ihrem Glauben vereinbaren können einen anderen Beruf als den des Bauern zu ergreifen, weiß ich nicht. Vielleicht weil es nicht so praktisch ist wie eine Ehefrau am Herd.

Über Rassismus, Inzest, Homosexualität und andere schöne Themen des 1. Buch Mose lesen Sie in der nächstens Ausgabe!

Ist ja nur Spaß

Ich habe in meinem Umfeld Beobachtungen in einer Art Humor gemacht, die mir sehr missfällt und frage mich, ob dies nur hier verbreitet ist oder auch in anderen linken Kreisen kursiert. Es handelt sich hierbei um das häufige Aussprechen von klischeehaften rassistischen und sexistischen Sprüchen, ohne diese Ernst zu meinen. Es gibt Leute, mit denen man keine halbe Stunde verbringen kann, ohne dass sie diese Sprüche über „Neger“, „Kanacken“, „Fotzen“ und „Fickfleisch“ machen, immer mit diesem ironischen Grinsen auf den Lippen, das sagt „Ich bin doch auch links, ich meine das nicht wirklich so“.
Wenn jemand hin und wieder so einen Spruch macht und das lustig findet, ist das eine Sache, aber wenn das in so einer Häufigkeit passiert, muss ich mich doch fragen, ob da nicht doch noch was anderes hinter steckt. Ob diese Leute nicht eigentlich gerne diese Einstellung hätten oder sie sogar teilweise haben, dies aber nicht in ihr linkes Selbstbild passt und sie diese deshalb in dieser überspitzten Art und Weise ausdrücken. Vielleicht überinterpretiere ich das aber auch einfach nur ein bisschen.

Habt ihr mit sowas schon Erfahrungen gemacht? Was haltet ihr davon?