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Politische Systeme im Kinderfernsehen – Heute: Captain Planet

Um auch mal wieder was zu schreiben möchte ich heute einen kurzen Blick auf die politische Message hinter der Trickfilmserie Captain Planet werfen. Diese ist trotz vieler Elemente von Mystik, Sci-Fi und Fantasy in einer Version unserer Realität angesiedelt, beinhaltet also kein alternatives Gesellschaftsmodell und passt deshalb nicht so ganz in das Thema meiner kleinen Serie. Doch gibt es eher wenige Sendungen für Kinder, die so vordergründig ein gesellschaftliches Thema behandeln, wie jene den Umweltschutz, weshalb ich sie gerne hier ein wenig genauer untersuchen möchte.
Gaia, Mutter der Erde, stattet 5 Jugendliche von verschiedenen Kontinenten mit magischen Ringen aus, mit denen diese Naturgewalten heraufbeschwören und gemeinsam den Superhelden Captain Planet herbeirufen können. Mit diesen Kräften kämpfen sie gegen eine Reihe von umweltschädigenden Bösewichten.
An dieser Stelle hätte man die Möglichkeit gehabt, die wahren Ursachen der Umweltzerstörung anzudeuten. Unternehmen sind durch die gegenseitige Konkurrenz dazu genötigt, ihre Produkte so günstig wie möglich herzustellen bzw. die Rohstoffe, die sie verkaufen, so günstig wie möglich zu fördern. Das hat an sich nichts mit der Bösartigkeit der Unternehmer zu tun und auch nichts mit Habgier, denn die größten Teile des Gewinnes behalten diese ja nicht für sich, sondern investieren ihn wieder in das Unternehmen, damit dieses konkurrenzfähig bleibt. Staaten können zwar durch Gesetze die Zerstörung der Umwelt begrenzen, doch da diese von den Steuereinnahmen von den Unternehmen abhängig sind, findet dies auch nur im begrenzten Maße statt.
Die Darstellung in Captain Planet ist jedoch von solch einer Differenziertheit weit entfernt. Die Antagonisten handeln ausschließlich aus niederen Motiven, bei einigen ist dies Habgier („every fish in this net is money in my pocket!“), bei anderen die pure Lust an der Zerstörung der Umwelt. Eine solche Personalisierung der Kritik ist in der demokratischen Linken sehr häufig zu finden, wie ein Blick auf die Heuschreckendebatte vor ein paar Jahren deutlich zeigt. Und leider ist auch diese Serie anscheinend ein Kind dieses Denkens.
Captain Planet wird also möglicherweise das eine oder andere Individuum dazu bewegen, sich im Umweltschutz zu engagieren, zum Nachdenken über die Ursachen der Umweltverschmutzung und Hinterfragen der Logik des Marktes werden die Zuschauer jedoch leider nicht angeregt.

Politische Systeme im Kinderfernsehen – Heute: Die Schlümpfe

Es gibt wohl kaum eine Trickfilmserie für die es so viele Deutungsansätze gibt, wie bei den Schlümpfen. Einige schreiben, es wäre der Ku Klux Klan, andere glauben es handelt sich um Kommunisten, wieder andere glauben es sei ein faschistischer Staat.

Schauen wir uns das Leben in dem kleinen Dorf einmal genauer an. Sehr früh fällt auf, dass es keinerlei Handel gibt. Es wird nirgends etwas gekauft oder verkauft. Jeder Schlumpf hat seine eigenen Fähigkeiten, es gibt einen Koch, eine Handwerker und auch einen Künstler. Es gibt auch Schlümpfe, die kein besonderes Talent haben wie der immer schlafende Schlumpf. Die Schlümpfe arbeiten alle freiwillig. Sie verlangen keine Gegenleistung und so profitiert schlussendlich das ganze Dorf davon. Schwierig einzuschätzen ist die Position von Papa Schlumpf. Viele sehen in ihm das Bild des Alleinherrschers oder Diktators. Tatsächlich ist er derjenige der am Ende meist die wichtige Entscheidung trifft. Man kann ihn aber wohl eher als einen Dorfältesten oder vielleicht auch Bürgermeister bezeichnen.

Der Gegenspieler der Schlümpfe ist Gargamel. Er will die kleinen blauen Kerle töten und zum Teil verspeisen, zum Teil in Gold verwandeln. Es ist wohl kaum ein Zufall, dass die einzige Person in der Geschichte, die Reichtum anhäufen will, der Bösewicht ist. Es zeigt aber auch, dass die Welt außerhalb des Schlumpfdorfes offensichtlich Tauschhandel tätigt, sonst wäre das Gold für Gargamel relativ nutzlos. In späteren Folgen wird wenn ich mich recht erinnere auf eine Monarchie hingewiesen.

Von allen außerhalb unserer Welt spielenden Zeichentrickserien gehört Die Schlümpfe also zu denen, die die stärksten kommunistischen Züge tragen, zumindest in der Wirtschaftsweise. Basisdemokratisch ist das Dorf allerdings nicht organisiert, hier wird mit Papa Schlumpf also schon auf eine Führerrolle zurückgegriffen. Da es keinen Staat oder Gesetze und damit verbunden Strafen gibt, kann von einer kommunistischen Diktatur aber wohl trotzdem eher nicht die Rede sein.
Für Kinder wird wohl vor allem der übliche Kampf von Gut gegen Böse im Vordergrund stehen. Dass sich die Schlümpfe immer gegenseitig helfen und Konflikte meistens durch Kompromisse lösen, sollte jedoch trotzdem einen eher positiven Einfluss haben.

Arme ärmer, Reiche reicher – Deutschland im Verteilungskampf

Heute wurde bei Anne Will zum Thema Armut diskutiert. Laut Armutsbericht der Bundesregierung geht die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander. In der Diskussion dazu wurde wie zu erwarten nicht viel sinnvolles dazu erzählt. Im Endeffekt lief es darauf hinaus, dass eine höhere Besteuerung der Arbeitnehmer diese nur verscheucht und eine Erhöhung der Löhne oder des ALGs nicht bezahlbar ist. Die Antwort auf die im Pressetext der ARD gestellte Frage „Was kann getan werden, um Armut in Deutschland wirksam zu bekämpfen? “ war im Endeffekt: Nix. Nur hat das natürlich keiner so direkt gesagt, sondern es wurde unglaublich viel rumgeschwafelt.

Thilo Sarrazin beteuerte, wie gut man von 4,25€ am Tag doch essen kann und Karl-Josef Laumann schlug vor, die Absetzung der Managerabfindungen nur bis 1 Mio. steuerlich absetzbar zu machen, das bringe zwar auch nix, wäre aber wenigstens ein symbolischer Akt.

Die ehemalige Hartz-IV-Empfängerin Ilka Bessin schlug Sarrazin vor, doch nur vom Hartz IV Satz zu leben und den Rest des Geldes zu spenden.

Hans-Werner Sinn vom Institut für Wirtschaftsforschung musste erst einmal die Begrifflichkeiten klären. Da in Deutschland niemand mit weniger als 40% des Durchschnittseinkommens leben müsste, sei niemand arm sondern nur armutsgefährdet. Hartz IV habe wunderbar Arbeitsplätze geschaffen und damit die Rente nicht bald auf Sozialhilfeniveau ist solle man doch die Sozialhilfe senken.

Mit diesen Aussagen zog er die Wut vom Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel auf sich. Hartz IV sei ungerecht und wäre gesetzlich verordnete Perspektivlosigkeit. Die Arbeiter sollten an den Gewinnen der Firmen mehr beteiligt werden. Wie genau und warum die Firmen das mit sich machen lassen sollten, sagte er nicht.

Dann war da noch Edith Franke, die 1995 die erste Tafel Ostedeutschlands eröffnet hat. Sie erzählte, dass die Menschen dort aus den Zeiten der DDR nicht gewohnt waren, nicht genug zu Essen zu haben und über die Jahre immer hoffnungsloser geworden sind. Die Leute seien auch nicht zu blöd oder zu faul, es gebe einfach zu wenig Arbeit. Ihre Lösung zu dem Thema war, dass die Unternehmen mehr für eine gerechtere Gesellschaft tun müssten. Wie wusste sie natürlich noch viel weniger als der Wirtschaftswissenschaftler, aber der Applaus war selbstverständlich auf ihrer Seite.

Im anschließenden ARD-Chat blühte Sarrazin dann noch richtig auf. Kultur sei nicht nur Kino, man könne doch auch in die Stadtbücherei gehen. Auf die Frage, wie man den Kindern bei Hartz IV denn Dinge wie Sportvereine oder Nachhilfe bezahlen solle fiel ihm nur ein, dass die Hartz-IV-Empfänger sich nur mehr um ihre Kinder kümmern müssten: Gemeinsam aufstehen, Brote schmieren und Hausaufgaben machen sei doch auch toll und koste nix. Dann zeigte er noch, wie gut er Marx verstanden hat. Auf die Frage, wie man die Firmen so in den Sozialstaat integrieren könnte, dass Entscheidungen der Arbeitgeber zum Wohle der Arbeitnehmer seien, antwortete er, dass dies in den letzten 300 Jahren noch niemand herausinden konnte, nicht mal Marx.

Ich warte ja noch immer darauf, dass in so einer Runde mal ein Marxist sitzt. Der muss ja nichtmal viel sagen. „Den Firmen kann man’s nicht wegnehmen weil sie sonst gehen, also nimmt man es den Arbeitnehmern und Arbeitslosen weg. Die Firmen müssen Profite erwirtschaften und wettbewerbsfähig bleiben also KÖNNEN sie gar nicht mehr soziale Verantwortung übernehmen ohne Pleite zu gehen. Und durch den demografischen Wandel kommen immer mehr Kosten auf die Regierung zu, die sie dann wiederum zu noch mehr Kürzungen antreiben werden. Armut gehört zum Kapitalismus halt dazu, gewöhnt euch dran oder werdet Kommunisten.“
Aber damit kriegt man dann natürlich keine 60 Minuten voll.

Politische Systeme im Kinderfernsehen. Heute: Spongebob Schwammkopf

Vor einiger Zeit wurde Kritik an den Fernseh- und Hörspielserien „Benjamin Blümchen“ und „Bibi Blocksberg“ laut, da diese den Kindern eine politikfeindliche Einstellung vermitteln würde. So ist der Bürgermeister von Neustadt selten hilfsbereit und lässt Gelder lieber in vierspurige Schnellstraßen fließen als in den Ausbau des Neustädter Zoos.

Es ist interessant zu beobachten, was für politische Systeme bzw. Ideologien in Kinderserien vermittelt werden. Deswegen möchte ich dafür in Zukunft einige analysieren. Beginnen möchte ich mit Spongebob Schwammkopf. Auch wenn diese Serie teilweise einen Humor vertritt, der auch von älteren gemocht wird, ist die hauptsächliche Zielgruppe doch im Kindergarten- und Grundschulalter zu finden.

Spongebob spielt in einer fiktiven Welt, nämlich in einer Stadt unter dem Meer. Während fiktive Orte von vielen anderen Serien als Chance genutzt werden, alternative Gesellschaftsmodelle wie kommunistisch (Die Schlümpfe) oder monarchisch (Arielle die Meerjungfrau) anmutende Systeme darzustellen, ist in Bikini Bottom der Kapitalismus allgegenwärtig.

Spongebob, obwohl mit kindlicher Naivität dargestellt, ist offensichtlich erwachsen und berufstätig. Er arbeitet in einem Fast-Food-Restaurant, in der Realität eine schlechtbezahlte und nervtötende Angelegenheit, aber SpongeBob liebt seinen Beruf und ist immer wieder motiviert, ihn so perfekt wie möglich auszuführen.

Im Gegensatz hierzu steht sein stets schlecht gelaunter Nachbar und Kollege Thadeus, der sich täglich über seine Arbeit und sein Leben generell beschwert und in einer Folge sogar zu streiken beginnt. Spongebobs Reaktionen hierauf werden von älteren Zuschauern als ironisches Stilmittel erkannt. Thadeus ist die Stimme des vernünftigen Erwachsenen, sozusagen das Spiegelbild des älteren Zuschauers der sich über die Albernheit der Serie aufregt. Für Kinder ist jedoch Spongebob immer das große Vorbild, so dass hier durchaus die Möglichkeit besteht, dass diese die Einstellung „Lohnarbeit ist was tolles!“ verinnerlichen.

Spongebobs Arbeitgeber, Mr. Crabs wird wie so oft in der Zeichentrickwelt (vergleiche Dagobert Duck) als raffgieriger Kapitalist dargestellt, der nichts anderes im Sinne hat als so viel Geld wie möglich anzuhäufen. Hierbei wird auf eine Darstellung von Sachzwängen verzichtet. Das Restaurant hat auf Grund des mangelndes Erfolges des einzigen anderen Restaurants „Der Abfalleimer“ keinerlei Konkurrenz, was Mr. Crabs nicht davon abhält, immer Profitmaximierung im Sinn zu haben. Was bleibt ist hier also lediglich eine verkürzte personalisierte Kapitalismuskritik.

Insgesamt stellt die Serie also ein vereinfachtes Bild einer kapitalistischen Gesellschaft dar, ohne direkt Stellung zu beziehen. Auf Grund der hohen Identifizierung mit der Hauptfigur werden die kritischen Hinterfragungen dieser von Seiten Thadeus‘ von den Kindern kaum wahrgenommen. Eine unkritische Einstellung zur Arbeit wird hier also durchaus gefördert. Die im Kontrast dazu stehende negative Darstellung des Arbeitgebers kann dies nur eingeschränkt ausgleichen, da diese das Arbeitsverhältnis selbst nicht hinterfragt sondern nur das Heuschreckenbild des bösen Kapitalisten zeichnet. Thadeus, die einzige Figur die zumindest ein Klassenbewusstsein besitzt, wird durchgehend als nörgelnder Spielverderber dargestellt und ist beim jungen Publikum eher unbeliebt.