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Politische Systeme im Kinderfernsehen. Heute: Spongebob Schwammkopf

Vor einiger Zeit wurde Kritik an den Fernseh- und Hörspielserien „Benjamin Blümchen“ und „Bibi Blocksberg“ laut, da diese den Kindern eine politikfeindliche Einstellung vermitteln würde. So ist der Bürgermeister von Neustadt selten hilfsbereit und lässt Gelder lieber in vierspurige Schnellstraßen fließen als in den Ausbau des Neustädter Zoos.

Es ist interessant zu beobachten, was für politische Systeme bzw. Ideologien in Kinderserien vermittelt werden. Deswegen möchte ich dafür in Zukunft einige analysieren. Beginnen möchte ich mit Spongebob Schwammkopf. Auch wenn diese Serie teilweise einen Humor vertritt, der auch von älteren gemocht wird, ist die hauptsächliche Zielgruppe doch im Kindergarten- und Grundschulalter zu finden.

Spongebob spielt in einer fiktiven Welt, nämlich in einer Stadt unter dem Meer. Während fiktive Orte von vielen anderen Serien als Chance genutzt werden, alternative Gesellschaftsmodelle wie kommunistisch (Die Schlümpfe) oder monarchisch (Arielle die Meerjungfrau) anmutende Systeme darzustellen, ist in Bikini Bottom der Kapitalismus allgegenwärtig.

Spongebob, obwohl mit kindlicher Naivität dargestellt, ist offensichtlich erwachsen und berufstätig. Er arbeitet in einem Fast-Food-Restaurant, in der Realität eine schlechtbezahlte und nervtötende Angelegenheit, aber SpongeBob liebt seinen Beruf und ist immer wieder motiviert, ihn so perfekt wie möglich auszuführen.

Im Gegensatz hierzu steht sein stets schlecht gelaunter Nachbar und Kollege Thadeus, der sich täglich über seine Arbeit und sein Leben generell beschwert und in einer Folge sogar zu streiken beginnt. Spongebobs Reaktionen hierauf werden von älteren Zuschauern als ironisches Stilmittel erkannt. Thadeus ist die Stimme des vernünftigen Erwachsenen, sozusagen das Spiegelbild des älteren Zuschauers der sich über die Albernheit der Serie aufregt. Für Kinder ist jedoch Spongebob immer das große Vorbild, so dass hier durchaus die Möglichkeit besteht, dass diese die Einstellung „Lohnarbeit ist was tolles!“ verinnerlichen.

Spongebobs Arbeitgeber, Mr. Crabs wird wie so oft in der Zeichentrickwelt (vergleiche Dagobert Duck) als raffgieriger Kapitalist dargestellt, der nichts anderes im Sinne hat als so viel Geld wie möglich anzuhäufen. Hierbei wird auf eine Darstellung von Sachzwängen verzichtet. Das Restaurant hat auf Grund des mangelndes Erfolges des einzigen anderen Restaurants „Der Abfalleimer“ keinerlei Konkurrenz, was Mr. Crabs nicht davon abhält, immer Profitmaximierung im Sinn zu haben. Was bleibt ist hier also lediglich eine verkürzte personalisierte Kapitalismuskritik.

Insgesamt stellt die Serie also ein vereinfachtes Bild einer kapitalistischen Gesellschaft dar, ohne direkt Stellung zu beziehen. Auf Grund der hohen Identifizierung mit der Hauptfigur werden die kritischen Hinterfragungen dieser von Seiten Thadeus‘ von den Kindern kaum wahrgenommen. Eine unkritische Einstellung zur Arbeit wird hier also durchaus gefördert. Die im Kontrast dazu stehende negative Darstellung des Arbeitgebers kann dies nur eingeschränkt ausgleichen, da diese das Arbeitsverhältnis selbst nicht hinterfragt sondern nur das Heuschreckenbild des bösen Kapitalisten zeichnet. Thadeus, die einzige Figur die zumindest ein Klassenbewusstsein besitzt, wird durchgehend als nörgelnder Spielverderber dargestellt und ist beim jungen Publikum eher unbeliebt.