Artikeldrei: Sexuelle Identität

Der LSVD fordert mit seiner Aktion artikeldrei oder auch „3+“, den dritten Artikel des Grundgesetzes folgendermaßen zu ergänzen:

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seiner sexuellen Identität, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Dieser Begriff, sexuelle Identität, soll laut LSVD „Lesben, Schwule, Transgender und intersexuelle Menschen“ umfassen. Das finde ich eine recht unglückliche Wahl, denn damit werden zwei zwar angrenzende aber letztendlich doch sehr unterschiedliche Themenkomplexe vermengt.

1) Gender. Um die Problematik der Diskriminierung auf Grund der gewählten Geschlechtsrolle (vor allem wenn diese eben vom biologischen Geschlecht abweicht) zu beschreiben, halte ich „sexuelle Identität“ für problematisch, da sie mit Sexualität ja eigentlich nix zu tun hat. Als Transgender könnte ich am liebsten Sex mit Männern, Frauen, Transsexuellen oder überhaupt niemandem haben wollen, das ist ja nicht der Punkt, sondern die gewählte Geschlechtsidentität.

2) Sexualität. Hier finde ich die andere Hälfte des Wortes problematisch, nämlich das Wort „Identität“. Sex mit Menschen meines Geschlechts, mit Transsexuellen oder überhaupt keinen zu haben ist ja keine Frage der Identität. Zwar wählen viele Menschen den Weg, sich die Identität „schwul“ oder „bi“ zuzulegen, aber das erstrebenswerte Ziel wäre ja eigentlich ein Aufbrechen dieses Schubladendenkens, das uns von der Psychologie der letzten Jahrhunderte aufgeschwatzt wurde und das Hinarbeiten auf einen Zustand, an dem ich einfach mit einem Menschen Sex haben kann, ohne dadurch irgendeine Identität annehmen oder hinterfragen zu müssen.

Meinungen dazu würden mich sehr interessieren. Ich habe auch eine Email an den LSVD dazu geschrieben.