Archiv für Mai 2009

Farbamoklauf

Ein Jugendlicher entwendet seinem Vater eine Schusswaffe und macht einen Amoklauf. Wie kann man nun den Eindruck erwecken, etwas dagegen getan zu haben, ohne, dass das Geld kostet, man sich Wählerstimmen versaut oder es sonst welche negativen Effekte hat? Richtig, man verbietet irgendetwas! Im Besten Fall sollte das nur einen geringen Teil der Bevölkerung betreffen und irgendetwas mit Schießen zu tun haben, ohne dabei Sportschützen, Soldaten oder andere Waffenfreunde vom Kreuzchenmachen abzuhalten. Und, was ein Glück, die Regierung hat auch etwas gefunden: Paintball muss verboten werden! Ob wirklich irgendjemand glaubt, dass das auch nur einen einzigen Amoklauf verhindern kann, weiß ich nicht. Aber die Argumente der Politiker sind ausgesprochen interessant:

„Dabei wird das Töten simuliert“, sagt Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach. Echt? Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, sieht das genauso und ergänzt „das ist sittenwidrig“. Soso. Vielleicht habe ich etwas verpasst, aber dieser Staat hat schon eine Bundeswehr, in der Leute schon während des Grundwehrdienstes lernen, mit echten Maschinenpistolen auf Menschen zu schießen, um dann später falls nötig in tatsächlichen Einsätzen genau dieses zu tun, oder? Aber das ist ja was anderes, nicht?

Natürlich ist mir klar, warum ein Staat eine Armee braucht. Mir ist auch klar, dass sehr viele durch Schützenvereine auch zur Bundeswehr gekommen sind und deshalb ein strengeres Waffenrecht nicht im Interesse des Staates liegt. Aber was ich nicht verstehe: Wozu immer diese Scheindebatten? Dieser blinde Aktionismus? Glauben die wirklich, damit etwas zu ändern oder ist das reiner Stimmenfang? Falls letzteres scheint dieser nicht unbedingt zu funktionieren, zumindest bei der (nicht repräsentativen) Umfrage auf Tagesschau.de sprechen sich 87 % gegen ein Verbot aus.

Politische Systeme im Kinderfernsehen – Heute: Captain Planet

Um auch mal wieder was zu schreiben möchte ich heute einen kurzen Blick auf die politische Message hinter der Trickfilmserie Captain Planet werfen. Diese ist trotz vieler Elemente von Mystik, Sci-Fi und Fantasy in einer Version unserer Realität angesiedelt, beinhaltet also kein alternatives Gesellschaftsmodell und passt deshalb nicht so ganz in das Thema meiner kleinen Serie. Doch gibt es eher wenige Sendungen für Kinder, die so vordergründig ein gesellschaftliches Thema behandeln, wie jene den Umweltschutz, weshalb ich sie gerne hier ein wenig genauer untersuchen möchte.
Gaia, Mutter der Erde, stattet 5 Jugendliche von verschiedenen Kontinenten mit magischen Ringen aus, mit denen diese Naturgewalten heraufbeschwören und gemeinsam den Superhelden Captain Planet herbeirufen können. Mit diesen Kräften kämpfen sie gegen eine Reihe von umweltschädigenden Bösewichten.
An dieser Stelle hätte man die Möglichkeit gehabt, die wahren Ursachen der Umweltzerstörung anzudeuten. Unternehmen sind durch die gegenseitige Konkurrenz dazu genötigt, ihre Produkte so günstig wie möglich herzustellen bzw. die Rohstoffe, die sie verkaufen, so günstig wie möglich zu fördern. Das hat an sich nichts mit der Bösartigkeit der Unternehmer zu tun und auch nichts mit Habgier, denn die größten Teile des Gewinnes behalten diese ja nicht für sich, sondern investieren ihn wieder in das Unternehmen, damit dieses konkurrenzfähig bleibt. Staaten können zwar durch Gesetze die Zerstörung der Umwelt begrenzen, doch da diese von den Steuereinnahmen von den Unternehmen abhängig sind, findet dies auch nur im begrenzten Maße statt.
Die Darstellung in Captain Planet ist jedoch von solch einer Differenziertheit weit entfernt. Die Antagonisten handeln ausschließlich aus niederen Motiven, bei einigen ist dies Habgier („every fish in this net is money in my pocket!“), bei anderen die pure Lust an der Zerstörung der Umwelt. Eine solche Personalisierung der Kritik ist in der demokratischen Linken sehr häufig zu finden, wie ein Blick auf die Heuschreckendebatte vor ein paar Jahren deutlich zeigt. Und leider ist auch diese Serie anscheinend ein Kind dieses Denkens.
Captain Planet wird also möglicherweise das eine oder andere Individuum dazu bewegen, sich im Umweltschutz zu engagieren, zum Nachdenken über die Ursachen der Umweltverschmutzung und Hinterfragen der Logik des Marktes werden die Zuschauer jedoch leider nicht angeregt.