1. Buch Mose (Teil 2)

Nachdem wir im vorherigen Beitrag schon in der Schöpfungsgeschichte die ersten sexistischen Tendenzen erkennen konnten, wollen wir nun weitere interessante Aussagen des ersten Buch Mose betrachten:

Kain erschlägt Abel. Während später Gott für Mord die Todesstrafe ausspricht ist er hier noch gütig, Kain soll als Nomade umherziehen. Kain hat jedoch Angst. Denn „jeder, der mich sieht, kann mich ungestraft töten.(Ge 4:14). Wer sollte das denn tun? Es gab doch nur Adam, Eva und eben Kain? Genauso wenig wird klar, wen Kain später heiratet. Hatten Adam und Eva Töchter die nicht erwähnt werden? Sehr rätselhaft. Zumindest ist Gott so gütig, ihm das Kainsmal zu geben, so dass er von niemanden getötet wird.

Die Menschen sind aber schlecht und böse, sie sündigen alle und Gott bereut seine Schöpfung und will alle umbringen. Nur Noah und seine Familie überleben die große Flut, weil sie fromm sind. Dass der Mensch im Allgemeinen von Grund auf böse ist, soll noch öfter in der Bibel vorkommen und ist auch heute noch eine beliebte Rechtfertigung von Staaten und Kapitalismus (siehe Hobbes).

Gott macht einen Bund mit Noah und nennt seine ersten Gesetze. Hervorstechen tut hierbei die Formulierung „Wer das Blut von Menschen vergießt — durch Menschen werde vergossen sein Blut! / Denn der Mensch ist zum Abbild Gottes gemacht(Ge 9:6). Hier taucht erstmals die Todesstrafe auf, die im 2. Buch Mose noch ausgeweitet wird. Es ist also kaum verwunderlich dass in einem religiösen Staat wie den USA die Todesstrafe auch heute noch ausgeübt wird.

Es folgt eine Ahnentafel und, wie in allen anderen Ahnentafeln der Bibel auch, werden nur Männer genannt. Hält Gott Frauen für unwichtig? Ich halte es ja für wahrscheinlicher, dass die Autoren des Buches Frauen für unwichtig hielten, was zur Zeit der Entstehung wohl zumindest bei den Hebräern eine unumstrittene Angelegenheit war. Da aber der bibeltreue Christ glaubt, dass die Bibel von Gott für die Menschen gemacht wurde, muss man sich über das Frauenbild vieler Christen wohl kaum wundern.

Kommen wir zu nackten Tatsachen. Noah wird der erste Weinbauer und besäuft sich. Nackt schläft er in seinem Zelt ein und sein Sohn Ham entdeckt ihn dort, lässt ihn so liegen und berichtet seinen Brüdern. Diese decken Noah daraufhin mit abgewandtem Blick zu. Also Noah von Hams Verhalten erfährt, verflucht er dessen Nachkommen, die Kanaaniter: „Verflucht sei Kanaan! / Der niedrigste Sklave wird er seinen Brüdern sein!“(Ge 9:25). Huch nein wie praktisch, dass so etwas der Bibel steht, wo Kanaan doch zu Israels größten Feinden gehörte. Da konnten sie diese ja ruhigen Gewissens versklaven. Aber Moses hat das ganze auf Gottes Befehl aufgeschrieben, natürlich, nicht israelische Priester um die Versklavung zu rechtfertigen. Und sowas gibt im 1. Buch Mose öfters. Die Ismaeliten stammen von einem wilden unehelichen Sohn Abrahams ab und die Ammoniter und Moabiter enstehen aus einer Inzestbeziehung zwischen Lot und seinen Töchtern. Man könnte es Propaganda nennen, aber es ist ja die heilige Schrift…

Zum Schluss möchte ich noch über die Vernichtung von Sodom und Gomorra und damit auch dem ersten Auftauchen der Homosexualität in der Bibel schreiben, die auf Grund dieser Geschichte einmal Sodomie genannt werden sollte.
Abraham will Gott beweisen, dass es auch gute Menschen in Sodom gibt und reist deswegen mit den Gesandten Gottes dorthin und übernachtet bei Lot. Nachts kommen die Bewohner Sodoms zu ihm und „Sie schrien nach Lot und riefen: „Wo sind die Männer, die heute Abend zu dir gekommen sind? Los, gib sie heraus! Wir wollen es ihnen besorgen!“(Ge 19:5). Andere Bibelübersetzungen schreiben „Wir wollen sie erkennen“, was jedoch in der Bibel eine Umschreibung für Sex ist. Der Bezug auf Homosexualität wird noch deutlicher, denn Lot bietet ihnen daraufhin seine Töchter an. Ja richtig, Gastfreundschaft ist ihm so wichtig, dass er lieber seine Töchter vergewaltigen lässt als seine Gäste. Die Sodomiten schlagen dieses Angebot jedoch aus und zahlen wenig später die Rechnung: Gott zerstört die Städte Sodom und Gomorra.

Diese Stelle ist nicht ganz eindeutig. Die Sünde der Sodomiten müssen nicht die homosexuellen Gelüste sein. Gäste zu vergewaltigen ist ja im Allgemeinen nicht unbedingt vorbildliches Verhalten. Doch auch spätere Bibelstellen sprechen sich gegen Homosexualität aus. Kein Wunder also, dass die wenigen, die sich auch heute noch offen gegen Schwule aussprechen, Christen sind.

Das erste Buch Mose zeigt also schon die vielen hässlichen Seiten der Bibel und es wird nicht besser. Denn bald wird Gott Moses seine Gesetze verkünden und die haben es in sich. Seid also wieder dabei, wenn das zweite Buch Mose hier kommentiert wird ;-)