Archiv für Juni 2008

2. Buch Mose

Auch wenn Feedback bisher ausgeblieben ist werde ich mal weiter die wunderschönen Seiten der Bibel beleuchten, vielleicht liest es ja doch mal einer. Das erste Buch Mose hat ja schon ein paar schöner Ideologien aufgezeigt, aber ab dem zweiten geht es erst richtig los. Gott verkündet Moses seine Gesetze und die haben es in sich.

Aber vorher führt er erstmal Moses und das Volk Israel aus Ägypten hinaus. Und hier zeigt sich Gott von seiner besten Seite. Denn die Tötung von etlichen Ägyptern vollzieht er nur, um seine Macht zu beweisen. Es wird an mehreren Stellen klar ausgesagt, dass die Ägypter nicht etwa von Satan verführt wurden, Moses nicht ziehen zu lassen, sondern dass Gott selber dies veranlasst hat.

Ich aber werde die Ägypter so starrsinnig machen, dass sie hinter ihnen her jagen. Dann werde ich am Pharao und seiner ganzen Heeresmacht, an seinen Streitwagen und Reitern meine Macht beweisen. (2. Mose 14: 17)

Sympatisch, wirklich, da möchte man ja sofort Christ werden. Und nicht nur tötet er den Pharao und sein Gefolge, die ohne sein Wirken gar nicht das getan hätten weshalb er sie bestrafte, als 10. Plage tötete er auch noch alle Erstgeborenen, also unschuldige Kinder. Warum das hier in Ordnung ist, im Matthäus-Evangelium das ähnliche Handeln von Herodes (er lässt alle Kinder die jünger als 3 sind töten aus der Hoffnung dass Jesus dabei sein wird) aber als so grausam dargestellt wird, ist mir auch nicht ganz klar.

Nachdem Jahwe nun also den Ägyptern gezeigt hat welcher Gott hier die Hosen an, ist es an der Zeit den Israeliten das Gesetz zu verkünden. Die Zehn Gebote kennt wohl jeder also wollen wir diese hier überspringen, aber Gott hat noch vieles mehr zu sagen.

Sklaverei ist erlaubt und es werden klare Regeln im Umgang mit Sklaven aufgestellt. Im Allgemeinen werden diese in den Gesetzen eher wie Gegenstände oder Vieh behandelt, so wird die Tötung eines Sklaven beispielsweise als viel geringeres Unrecht angesehen als die Tötung eines Nicht-Sklaven.

Für die meisten Übertretungen von Gottes Gesetzen gilt die Todesstrafe. Dies ist der Fall für: Mord, Schlagen von Vater oder Mutter, Entführung von Menschen, Verfluchung der Eltern, Zauberei, Sex mit Tieren, Opfer für fremde Götter, Missbrauch oder illegale Herstellung von Weihrauch und Myrre und das Arbeiten am Sabbat.

Die Eltern werden im Allgemeinen als unfehlbar gesehen. „Du sollst Vater und Mutter ehren“ und wenn man sie schlägt oder verflucht soll man getötet werden. Ausnahmen gibt es keine, egal also was einem die eigenen Eltern antun sollten, sie gelten als unantastbar.

Fürsten und Herrscher sollen nicht verflucht werden. Das Verbot, sich gewaltsam gegen Unterdrückung zu wehren begegnet einem noch öfter in der Bibel, auch im neuen Testament wo Jesus den Unterdrückten sagt, sie sollen frohen Mutes sein, denn im Jenseits wird alles besser. Herrschaft und Religion passen wie Arsch auf Eimer.

Körperverletzung soll dem Täter mit gleichen Mitteln heimgezahlt werden. Schlägt er jemanden ein Auge aus soll auch ihm eine Auge ausgeschlagen werden etc. („Auge für Auge, Zahn für Zahn…“).

Ob die heutigen bibeltreuen Christen auch diese ganzen Gesetze unterschreiben würden, würde mich wirklich interessieren. Was für die Israelis damals richtig war kann für uns doch kaum falsch sein? Und das war bei leibe nicht alles, im dritten Buch Mose werden uns noch weitere Regelungen begegnen, vor allem im Bereich der Sexualität. Bis dann…

1. Buch Mose (Teil 2)

Nachdem wir im vorherigen Beitrag schon in der Schöpfungsgeschichte die ersten sexistischen Tendenzen erkennen konnten, wollen wir nun weitere interessante Aussagen des ersten Buch Mose betrachten:

Kain erschlägt Abel. Während später Gott für Mord die Todesstrafe ausspricht ist er hier noch gütig, Kain soll als Nomade umherziehen. Kain hat jedoch Angst. Denn „jeder, der mich sieht, kann mich ungestraft töten.(Ge 4:14). Wer sollte das denn tun? Es gab doch nur Adam, Eva und eben Kain? Genauso wenig wird klar, wen Kain später heiratet. Hatten Adam und Eva Töchter die nicht erwähnt werden? Sehr rätselhaft. Zumindest ist Gott so gütig, ihm das Kainsmal zu geben, so dass er von niemanden getötet wird.

Die Menschen sind aber schlecht und böse, sie sündigen alle und Gott bereut seine Schöpfung und will alle umbringen. Nur Noah und seine Familie überleben die große Flut, weil sie fromm sind. Dass der Mensch im Allgemeinen von Grund auf böse ist, soll noch öfter in der Bibel vorkommen und ist auch heute noch eine beliebte Rechtfertigung von Staaten und Kapitalismus (siehe Hobbes).

Gott macht einen Bund mit Noah und nennt seine ersten Gesetze. Hervorstechen tut hierbei die Formulierung „Wer das Blut von Menschen vergießt — durch Menschen werde vergossen sein Blut! / Denn der Mensch ist zum Abbild Gottes gemacht(Ge 9:6). Hier taucht erstmals die Todesstrafe auf, die im 2. Buch Mose noch ausgeweitet wird. Es ist also kaum verwunderlich dass in einem religiösen Staat wie den USA die Todesstrafe auch heute noch ausgeübt wird.

Es folgt eine Ahnentafel und, wie in allen anderen Ahnentafeln der Bibel auch, werden nur Männer genannt. Hält Gott Frauen für unwichtig? Ich halte es ja für wahrscheinlicher, dass die Autoren des Buches Frauen für unwichtig hielten, was zur Zeit der Entstehung wohl zumindest bei den Hebräern eine unumstrittene Angelegenheit war. Da aber der bibeltreue Christ glaubt, dass die Bibel von Gott für die Menschen gemacht wurde, muss man sich über das Frauenbild vieler Christen wohl kaum wundern.

Kommen wir zu nackten Tatsachen. Noah wird der erste Weinbauer und besäuft sich. Nackt schläft er in seinem Zelt ein und sein Sohn Ham entdeckt ihn dort, lässt ihn so liegen und berichtet seinen Brüdern. Diese decken Noah daraufhin mit abgewandtem Blick zu. Also Noah von Hams Verhalten erfährt, verflucht er dessen Nachkommen, die Kanaaniter: „Verflucht sei Kanaan! / Der niedrigste Sklave wird er seinen Brüdern sein!“(Ge 9:25). Huch nein wie praktisch, dass so etwas der Bibel steht, wo Kanaan doch zu Israels größten Feinden gehörte. Da konnten sie diese ja ruhigen Gewissens versklaven. Aber Moses hat das ganze auf Gottes Befehl aufgeschrieben, natürlich, nicht israelische Priester um die Versklavung zu rechtfertigen. Und sowas gibt im 1. Buch Mose öfters. Die Ismaeliten stammen von einem wilden unehelichen Sohn Abrahams ab und die Ammoniter und Moabiter enstehen aus einer Inzestbeziehung zwischen Lot und seinen Töchtern. Man könnte es Propaganda nennen, aber es ist ja die heilige Schrift…

Zum Schluss möchte ich noch über die Vernichtung von Sodom und Gomorra und damit auch dem ersten Auftauchen der Homosexualität in der Bibel schreiben, die auf Grund dieser Geschichte einmal Sodomie genannt werden sollte.
Abraham will Gott beweisen, dass es auch gute Menschen in Sodom gibt und reist deswegen mit den Gesandten Gottes dorthin und übernachtet bei Lot. Nachts kommen die Bewohner Sodoms zu ihm und „Sie schrien nach Lot und riefen: „Wo sind die Männer, die heute Abend zu dir gekommen sind? Los, gib sie heraus! Wir wollen es ihnen besorgen!“(Ge 19:5). Andere Bibelübersetzungen schreiben „Wir wollen sie erkennen“, was jedoch in der Bibel eine Umschreibung für Sex ist. Der Bezug auf Homosexualität wird noch deutlicher, denn Lot bietet ihnen daraufhin seine Töchter an. Ja richtig, Gastfreundschaft ist ihm so wichtig, dass er lieber seine Töchter vergewaltigen lässt als seine Gäste. Die Sodomiten schlagen dieses Angebot jedoch aus und zahlen wenig später die Rechnung: Gott zerstört die Städte Sodom und Gomorra.

Diese Stelle ist nicht ganz eindeutig. Die Sünde der Sodomiten müssen nicht die homosexuellen Gelüste sein. Gäste zu vergewaltigen ist ja im Allgemeinen nicht unbedingt vorbildliches Verhalten. Doch auch spätere Bibelstellen sprechen sich gegen Homosexualität aus. Kein Wunder also, dass die wenigen, die sich auch heute noch offen gegen Schwule aussprechen, Christen sind.

Das erste Buch Mose zeigt also schon die vielen hässlichen Seiten der Bibel und es wird nicht besser. Denn bald wird Gott Moses seine Gesetze verkünden und die haben es in sich. Seid also wieder dabei, wenn das zweite Buch Mose hier kommentiert wird ;-)