Politische Systeme im Kinderfernsehen – Heute: Die Schlümpfe

Es gibt wohl kaum eine Trickfilmserie für die es so viele Deutungsansätze gibt, wie bei den Schlümpfen. Einige schreiben, es wäre der Ku Klux Klan, andere glauben es handelt sich um Kommunisten, wieder andere glauben es sei ein faschistischer Staat.

Schauen wir uns das Leben in dem kleinen Dorf einmal genauer an. Sehr früh fällt auf, dass es keinerlei Handel gibt. Es wird nirgends etwas gekauft oder verkauft. Jeder Schlumpf hat seine eigenen Fähigkeiten, es gibt einen Koch, eine Handwerker und auch einen Künstler. Es gibt auch Schlümpfe, die kein besonderes Talent haben wie der immer schlafende Schlumpf. Die Schlümpfe arbeiten alle freiwillig. Sie verlangen keine Gegenleistung und so profitiert schlussendlich das ganze Dorf davon. Schwierig einzuschätzen ist die Position von Papa Schlumpf. Viele sehen in ihm das Bild des Alleinherrschers oder Diktators. Tatsächlich ist er derjenige der am Ende meist die wichtige Entscheidung trifft. Man kann ihn aber wohl eher als einen Dorfältesten oder vielleicht auch Bürgermeister bezeichnen.

Der Gegenspieler der Schlümpfe ist Gargamel. Er will die kleinen blauen Kerle töten und zum Teil verspeisen, zum Teil in Gold verwandeln. Es ist wohl kaum ein Zufall, dass die einzige Person in der Geschichte, die Reichtum anhäufen will, der Bösewicht ist. Es zeigt aber auch, dass die Welt außerhalb des Schlumpfdorfes offensichtlich Tauschhandel tätigt, sonst wäre das Gold für Gargamel relativ nutzlos. In späteren Folgen wird wenn ich mich recht erinnere auf eine Monarchie hingewiesen.

Von allen außerhalb unserer Welt spielenden Zeichentrickserien gehört Die Schlümpfe also zu denen, die die stärksten kommunistischen Züge tragen, zumindest in der Wirtschaftsweise. Basisdemokratisch ist das Dorf allerdings nicht organisiert, hier wird mit Papa Schlumpf also schon auf eine Führerrolle zurückgegriffen. Da es keinen Staat oder Gesetze und damit verbunden Strafen gibt, kann von einer kommunistischen Diktatur aber wohl trotzdem eher nicht die Rede sein.
Für Kinder wird wohl vor allem der übliche Kampf von Gut gegen Böse im Vordergrund stehen. Dass sich die Schlümpfe immer gegenseitig helfen und Konflikte meistens durch Kompromisse lösen, sollte jedoch trotzdem einen eher positiven Einfluss haben.


2 Antworten auf “Politische Systeme im Kinderfernsehen – Heute: Die Schlümpfe”


  1. 1 schorsch 01. Juni 2008 um 16:09 Uhr

    also gargamel vereinigt wohl einige antisemitische stereotype. ich finde es nicht ungefährlich darin eine personifizierung des kapitals zu sehen.

  2. 2 Administrator 01. Juni 2008 um 16:23 Uhr

    Stimmt, das hab ich übersehen. Dass der böse raffgierige Gargamel ausgerechnet diesen Klischees entspricht, ist von Pierre Culliford wohl sowieso nicht gerade glücklich gewählt…

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.